Bericht über die Busreise des Freundeskreises Städtepartnerschaft nach Vitrolles vom 7.-12.10.2017

Vom doch schon herbstlichen Mörfelden-Walldorf in das Licht der Provence.

Abfahrt bei Dunkelheit aus unserer Stadt mit Ziel Vitrolles, unserer Partnerstadt in Südfrankreich. Ein langer Tag sollte uns bevorstehen, einer Reisegruppe von 36 Personen, die meisten Mitglieder des Freundeskreises Städtepartnerschaft Mörfelden-Walldorf. Monique Schmitt, die Vorsitzende, begrüßt während der Fahrt die Teilnehmer, die alle noch etwas verschlafen wirken, und dann geht es durch bis nach Dôle, schon in der Bourgogne. Hier übernimmt unsere Busfahrerin Biggi das Steuer, das sie bis zur Rückkehr nach sechs wunderbaren Tagen nicht mehr abgibt.

Es zieht sich, das Wetter wird aber immer besser und ab Lyon haben wir nicht nur den Übergang in eine mittelmeerisch geprägte Landschaft sondern auch den herrlichsten Sonnenschein. Abends die Annäherung an Vitrolles mit Blick auf den Etang de Berre, der im Widerschein eines Himmels mit dunkelrotem, tiefblauem und orangen Farbenspiel aufleuchtet.

Bereits wieder im Dunklen wird die Reisegruppe auf dem Parkplatz eines Gebäudes – ähnlich dem Bürgerhaus – von unseren französischen Gastgebern mit Hallo und vielen Umarmungen begrüßt. Im Saal Guy Obino wurden festlich gedeckte Tische aufgebaut. Die Landesfarben von Deutschland und Frankreich schmücken alles, man setzt sich bunt gemischt zusammen und erzählt sich die Neuigkeiten. Begrüßung durch Frédéric Pain, dem Präsidenten der Vereinigung für die Städtepartnerschaft und internationale Beziehungen in Vitrolles, Monique Schmitt bedankt sich für den Empfang. Als Überraschung für uns gibt es eine Sauerkrauttafel mit Würsten, geräuchertem Speck und Rauchfleisch, ähnlich wie im Elsass das choucroute royale, vorbereitet von der Tanzgruppe „Lei Dindouleto dou Roucas“ unter ihrem Chef, Dominique Dozance. In der Regionalpresse „La Provence“ erscheint am nächsten Tag ein groß aufgemachter Bericht über den Empfang der délégation allemande. Der Artikel beginnt in Deutsch mit „Guten Abend“, „wie geht es Ihnen“, „hatten Sie eine gute Reise?“. Der Reporter charakterisiert die Begrüßung mit dem Hinweis, dass dies die Sprache Goethes ist. Da passt es, wenn der französische Präsident Macron wenige Tage später anlässlich der Buchmesse in Frankfurt die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern in den Mittelpunkt stellt. Zum Ende des Empfangs sind wir alle geschafft und reichlich müde. Die einen fahren mit ihren französischen Gastgebern nach Hause, die anderen mit dem Bus ins Hotel.

Am Sonntag allseitiges Treffen am Busbahnhof von Vitrolles. Auch etliche unserer französischen Gastgeber steigen zu. Frühe Abfahrt zur Caverne du Pont d’Arc, die im Gebiet des Flusses Ardèche liegt. Nach der Morgenkühle erhebt sich ein strahlender Sonnenball am tiefblauen Himmel und taucht die Landschaft in ein fast gleißendes Licht. Kurzweilige Fahrt wieder aufwärts der Rhône bis einige Kilometer hinter Orange, dann auf der N7 und D4 Richtung Vallon Pont d’Arc. Ganz in der Nähe des Städtchens liegt die erst 1994 entdeckte originale Höhle, die Chauvet-Höhle, die für den Tourismus nicht zugänglich ist, da die Atemluft vieler Besucher leicht zu einer Gefährdung der Höhlenmalereien führen kann. Wir tauchen in das Dämmerlich der nachgebildeten Höhle und lassen uns ganz gefangen nehmen von den Darstellungen der Tiere wie Höhlenbär, Eiszeithirsch, Mammut, Wollnashorn, Wildpferde. Eine Elsässerin erklärt uns in hervorragendem Deutsch die Meisterwerke, die in Rot mit Hämatit bzw. in Schwarz mit Holzkohle auf der Felswand angefertigt wurden. Die älteren und einfacheren Originale werden der Jungsteinzeit vor ca. 40.000 Jahre zugeschrieben, die neueren und sehr künstlerischen der Eiszeit vor ca. 26.000 Jahren. Ein Felssturz hat die Chauvet-Höhle vor ca. 21.000 Jahren verschlossen, wodurch der gute Erhaltungszustand der originalen Malereien erklärlich ist.

Bummel, Spaziergang durch die weiträumige Parkanlage an der Caverne du Pont d’Arc, ein Mittagsimbiss, Museumsbesuch und ein Ausblick in die Landschaft der Ardèche bei gleißendem Sonnenschein schließen sich an. Es kommt die Idee auf, zur nahe gelegenen Pont d’Arc zu fahren, wo sich der Fluss einen brückenartigen Durchbruch durch den Kalkfelsen geschaffen hat. Bei 26grad C am späten Nachmittag nehmen wir diese natürliche Sehenswürdigkeit auch noch mit, dann geht es auf die Rückfahrt nach Vitrolles.

Der quasi offizielle Teil des Besuchs in Vitrolles steht am Montag an. Die délégation allemande wird von Bürgermeister Loic Gachon in der Médiathèque La Passerelle am Place de la Liberté empfangen. Dieses moderne Gebäude, vom Star-Archtekten Jan-Pierre Lott aus Paris entworfen, der als Sieger aus einem Architektenwettbewerb hervorging, ist ein enormer Baukörper von drei Etagen, dessen obere Fassade sich in welligen Flächen an der Längsseite entlang zieht. Es wirkt außen und gerade auch innen von wunderbarer Leichtigkeit. Die Fassade ist so durchbrochen, dass viel Licht ins Innere fällt. Dort führt eine lange Freitreppe in die oberen Geschosse, der Freiraum wird von hochstrebenden Säulen getragen. Alles ist in Weiß gehalten, die verschiedenen Funktionsbereiche innen sind dezent mit unterschiedlich farbigen Anstrichen gekennzeichnet. Der Bürgermeister ist sichtlich stolz auf dieses Glanzstück in Vitrolles und erklärt, dass das Gebäude Bibliotheken für Erwachsene wie für Kinder enthält, man sich DVDs und andere moderne Medien ausleihen kann, es abgeschlossene, ruhige Leseräume aber auch Räume für Kinderbetreuung gibt, Lesungen sowie Musikveranstaltungen abgehalten werden können und einiges mehr. Das Ganze wurde erst 2015 fertiggestellt und hat ca. 13 Mio EUR gekostet. Davon gaben Staat und Département ca. 11 Mio, und die Stadt Vitrolles hat 2 Mio EUR getragen.

Nachmittags geht es zur Baumpflanzung in den Freizeit- und Erholungspark le Griffon am südöstlichen Ende von Vitrolles. Wie erinnerlich hatte ein verheerender Waldbrand im August 2016 vom Plateau oberhalb von Vitrolles bis hinunter zum Flugplatz Marseille viele Bäume vernichtet. Der Freundeskreis hatte in Solidarität mit Vitrolles spontan gesammelt und diese Spende an Bürgermeister Loic Gachon überreicht. Jetzt stehen wir in diesem Park und pflanzen gemeinsam mit dem Bürgermeister und unseren französischen Gastgebern einen Ginkgobaum, an dem später eine Plakette mit den Hinweis auf den Spender angebracht werden soll. Unsere eigentliche Spende soll für Pflanzaktionen mit Kindern in dem Park ausgegeben werden.

Eine Busfahrt zum Weinkauf im Chateau Virant schließt sich an. Zurück geht es wieder um den Etang de Berre herum mit Ziel Rognac. Dort wurde in einem direkt am Ufer gelegenem Restaurant für ein gemeinsames Diner mit unseren französischen Gastgebern ein großer Saal reserviert. Wir genießen beim Aperitif den Sonnenuntergang, der uns über der großen Wasserfläche des Etang mit Palmen am Ufer ein südseeartiges Farbspiel beschert.

Das Programm geht weiter, es ist Stehvermögen gefragt. Am Dienstag wieder Busfahrt, aber dieses Mal näher dran, nach Salon de Provence. Wir bekommen eine Führung durch die malerische Altstadt, alles in französischer Sprache. Jetzt sind die Könner unter uns gefragt, die in der Lage sind, Zahlen und historische Fakten ins Deutsche zu übersetzten. Glücklicherweise haben wir Raymund sowie Simone und Eliane dabei, die sich beim Übersetzten abwechseln. Was wir lernen: Die Altstadt besteht aus einer Burg, die im 13. Jahrhundert befestigt wurde und dem Erzbischof als Sitz diente. Innerhalb der Mauern befinden sich Wohnhäuser und die romanische Kirche St. Michel. Im Tympanon über der Kirchentür ist der Heilige dargestellt, wie er gerade das Böse niedermacht. Besichtigung der Kirche, dann geht es zur eigentlichen Burg, die unzerstört erhalten ist. Am nördlichen Eingang in die Altstadt ist der Reichsadler erhalten geblieben. Im 15. Jahrhundert fiel die Provence an das Königreich Frankreich und der französische König ersetzte das Machtsymbol des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation durch das französische Symbol Panther mit der Lilie. Man kann Panther und Lilie sehr schön über dem Portal des Renaissance-Rathauses außerhalb der Burg sehen. Auf dem Rückweg zum Bus schauen wir noch kurz bei Nostradamus vorbei, der als lebensgroße Figur im Vorraum des Hauses sitzt, in dem er viele Jahre seines Lebens verbrachte. Er selbst bezeichnete sich als Apotheker, war aber auch ein Freund der Sterne. Seine Prophezeihungen haben bis heute eine gläubige Anhängerschaft.

Ab dem frühen Nachmittag wurde es bei einem pique-nique im Freien richtig Französisch. An der Fontaine Marie Rose in Grans gibt es einen gepflegten Freizeitpark, in den uns unsere Gastgeber eingeladen hatten. Sie haben alles mit einem Kleintransporter herbeigeschafft: Tische, Stühle, Pastis, Weißwein, Rosé, Mineralwasser, Chips, selbst gemachte Salate, Scheiben von kaltem Fleisch und natürlich jede Menge Baguette. Entspannte Atmosphäre bei herrlichem Sonnenschein, Gespräche mit den Gastgebern, auch wir Gäste untereinander. Man lernt sich besser kennen.

Ein weiterer Programmpunkt: Fahrt zur Savonnerie Fabius Fabre, etwas außerhalb von Salon de Provence. Jeder deckt sich nach Lust und Laune mit Seifen aus Olivenöl und sonstigen Reinigungsmitteln aus natürlichen Rohstoffen ein.

Nach Ankunft in Vitrolles trennt sich die Gruppe wieder. Diejenigen, die im Hotel untergebracht sind, zieht es zu einem gediegenen abendlichen Diner. Es wird uns eine Pizzeria mitten im Gewerbegebiet empfohlen, die sich als ausgezeichnetes Restaurant entpuppt und so ganz nebenbei auch Pizza auf der Speisekarte hat.

Am Mittwoch heißt es Abschied nehmen. Selbst der Bürgermeister Loic Gachon kommt um 9 Uhr morgens zum Parkplatz vor dem Saal Guy Obino, wo diejenigen in den Bus zusteigen, die bei französischen Gastgebern untergebracht waren. Sehr herzlicher Abschied. Die Rückfahrt geht knapp 370 km bis Macon, wo Zimmer in einem Hotel für uns reserviert sind. Am Nachmittag erkunden wir noch ein wenig die Innenstadt von Macon. Am Donnerstag werden die restlichen gut 610 km in Angriff genommen. Das Wetter wird immer herbstlicher und in Mörfelden-Walldorf wird man doch schmerzlich an das berühmte Provenzalische Licht und die Wärme dort unten erinnert.

Dank sei an Monique Schmitt, die mit unzähligen Telefonaten, E-Mails und sprachkundigen Helfern dieses Programm auf die Beine gestellt und durchgeführt hat. Dank auch an unsere französischen Gastgeber, die uns während der ganzen Zeit unseres Aufenthalts in Vitrolles und bei den Ausflügen umsorgt haben. Ein besonderes Dankeschön geht an Frédéric Pain, der auf französischer Seite alles erkundet und in die Wege geleitet hat.

Nicht zuletzt geht auch unser Dankeschön an unsere Busfahrerin Biggi, die unerschrocken noch die kleinsten Straßen in der Provence gemeistert hat.

 

Klaus Gohlke
Pressewart des Freundeskreises Städtepartnerschaft e.V. Mörfelden-Walldorf

 

Nachfolgende Fotos von Klaus Gohlke:

Die Reisegruppe vor der Médiathèque in Vitrolles

 

In der Médiathèque, von links nach rechts Monique Schmitt (Vorsitzende des Freundeskreises Städtepartnerschaft Mörfelden-Walldorf), Bürgermeister von Vitrolles Loic Gachon, Guy Lataud (Mitglied in der Vereinigung für die Städtepartnerschaft und internationale Beziehungen in Vitrolles)

 

Salon de Provence, ein Teil der Reisegruppe vor dem Renaissance Rathaus

 

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