Partnerstädte von Mörfelden-Walldorf: Gemeinsam gegen Rassismus

Erklärung für Demokratie und Toleranz Partnerstädte von Mörfelden-Walldorf: Gemeinsam gegen Rassismus

Von ALEXANDER KOCH

Nachdem die Partnerstädte Mörfelden-Walldorf und Wageningen eine gemeinsame Erklärung gegen Rassismus und für Toleranz verfasst haben, hat nun auch der Bürgermeister von Vitrolles das Papier unterzeichnet. Die vierte Partnerstadt soll in Kürze folgen.

Mörfelden-Walldorf. 

Bereits vor gut einer Woche hatten die Bürgermeister von Mörfelden-Walldorf und Wageningen in einer Feierstunde zur Würdigung ihrer 25-jährigen Städtepartnerschaft eine gemeinsame politische Erklärung unterzeichnet (wir berichteten). Dieser hat sich nun auch Vitrolles, die französische Partnerstadt von Mörfelden-Walldorf, angeschlossen.

„Angesichts aktueller nationalistischer, europafeindlicher und rassistischer Tendenzen in Europa bekennen wir vier in Partnerschaft miteinander verbundenen Städte – Mörfelden-Walldorf (Deutschland), Vitrolles (Frankreich), Wageningen (Niederlande) und Torre Pellice (Italien) – uns ausdrücklich zu den Grundwerten der Europäischen Menschenrechtskonvention. Wir streben ein Europa an, das sich zu Freiheit, Gleichheit und Solidarität bekennt und die Zusammenarbeit der europäischen Nationen fördert. Dazu wollen wir auch auf der kommunalen Ebene unseren Beitrag leisten.“ So beginnt die gemeinsame Erklärung gegen Rassismus und für Demokratie, Toleranz und Menschenrechte, welche die Rathauschefs von Mörfelden-Walldorf, Wageningen und Vitrolles unterzeichnet haben. Der Bürgermeister von Torre Pellice wird seinen drei Kollegen bald mit seiner Unterschrift nachfolgen.

Aktive Rolle einnehmen

Noch vor wenigen Jahren hätte eine solche Erklärung wohl selbstverständlich geklungen. Doch im Jahr 2017 – im Zeitalter von US-Präsident Donald Trump, Brexit, der französischen Rechtsextremen Marine Le Pen und der AfD – stellt die Erklärung ein starkes Bekenntnis mit erheblicher Aktualität dar. Das gilt erst recht knapp eine Woche vor der Bundestagswahl.

Die Unterzeichnung seitens Vitrolles’ Bürgermeister Loïc Gachon (Parti socialiste) erfolgte in einer lockeren Veranstaltung im Magistratszimmer des Rathauses Mörfelden in Anwesenheit einer französischen und einer deutschen Delegation sowie von Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) und Erstem Stadtrat Burkhard Ziegler (Freie Wähler). „Die Bürgermeister müssen eine Städtepartnerschaft pflegen. Sie können und dürfen sie zwar nicht alleine bestreiten, aber wenn sie dabei keine aktive Rolle einnehmen, dann schläft eine Städtepartnerschaft ein“, so Becker.

Gachon gliederte die Geschichte der im Jahr 1984 geschlossenen Städtepartnerschaft zwischen Vitrolles und Mörfelden-Walldorf in drei Etappen. Am Anfang habe ganz klar die deutsch-französische Aussöhnung im Mittelpunkt gestanden. Die beiden einstigen „Erbfeinde“, die so viele grausame Kriege gegeneinander geführt hatten, was Hunderttausenden Söhnen beider Länder sinnlos das Leben gekostet hatte, mussten dringend zueinander finden.

Vielseitiges Programm

Zusätzlich erschwert wurde dieser Prozess der Versöhnung durch die jahrelange verbrecherische Besatzungspolitik des nationalsozialistischen Deutschlands im besetzten Frankreich im Zweiten Weltkrieg, der um die 100 000 Franzosen zum Opfer fielen, darunter etwa 76 000 ermordete französische Juden sowie 20 000 bis 30 000 hingerichtete oder im Kampf gestorbene Widerstandskämpfer der Résistance.

Der historische Ballast war schwer, doch die deutsch-französische Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg gelang. Sie war sogar so erfolgreich, dass sich in einer zweiten Etappe zunehmend eine Routine in der Städtepartnerschaft bildete, sie wurde etwas Selbstverständliches. Aktuell sieht Gachon die Partnerschaft in einer dritten Etappe angekommen, wo sie plötzlich in einem gesamteuropäischen Kontext und im Zeitalter des Rechtspopulismus wieder enorm an Bedeutung gewonnen habe.

Mörfelden-Walldorf und Vitrolles pflegten das teure Gut der völkerübergreifenden Freundschaft sowohl mit der gemeinsamen Erklärung als auch mit einem vielseitigen gemeinsamen Programm beider Delegationen. So wurden unter anderem zusammen die Kita XI in Walldorf, das Jugendkulturzentrum Mörfelden und das Jugendzentrum Walldorf, die Bertha-von-Suttner-Schule sowie die Sport- und Kulturvereinigung Mörfelden und das Margit-Horváth-Zentrum in Walldorf besucht.

Besuche bei Freunden sind und bleiben wichtig. Bürgermeister Becker betonte: „Austausch zwischen Menschen allgemein und verschiedenen Nationen sowie den Jugendlichen dieser Länder im Besonderen ist wichtig, denn nur so können erst gar keine Vorurteile über andere Menschen entstehen“.

 

Frankfurter Neue Presse
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